Kickersinterview in der Süddeutschen Zeitung

 

Ein Erlebnis das er sich mehr als verdient hat, auch wenn es in Augen eines örtlichen Vereins-funktionärs nach „nur“ drei Jahren eine solche Ehrung, die ja von Seitens des BFV ausgeht, nicht geben darf, war für unseren 1. Vorsitzenden Thomas Lang das Länderspiel zwischen Deutsch-land und Frankreich beim Nation Cup in München. Anlass war sein verdienter Ehrenamtspreis und die Aufnahme in den „Club der 100“. Diese Auszeich-nung war auch Anlass für die Süddeutsche Zeit-ung mit Tom ein Interview über die Geschichte der Kickers zu machen. Wir sind sehr stolz darauf in einer der renommiertesten Zeitungen Deutschlands zu erscheinen und möchten all unseren Homepagelesern dieses Interview natürlich nicht vorenthalten. Viel Spaß den Lesern und den Neidern sei gesagt: „Sollte es in Eurem Verein auch verdiente Mitglieder geben, dann meldet die doch einfach dem BFV und stänkert nicht über Vereine die etwas für ihre Ehrenamtlichen tun!“

 

SZ: Wann sehen wir die Kickers Selb in der Bundesliga?

 

Thomas Lang: (lacht) Ne, soweit geht die Reise nicht. Für mich wäre es toll, wenn wir hier in der Region irgendwann einen Verein in der Landesliga hätten. Und das mit ein paar Spielern aus der eigenen Jugend.

 

Wie kommt man überhaupt auf die Idee, einen Klub zu gründen?

 

Relativ einfach im Nachgang. Ich bin ein gebürtiger Niederbayer und habe schon früher Fußball gespielt. Als ich der Liebe wegen nach Selb gekommen bin, war da auch ein Fußballverein, der FC, dem ich mich angeschlossen habe. Dem ging es finanziell schlecht. Ich fand es schade, dass wird dort daher keine sportliche Perspektive hatten. Aus dem Grund haben wir uns entschlossen, einen neuen Klub zu grün-den. Der alte kann nun seine Liegenschaften verwalten.

 

Was gibt es für Stolpersteine, wenn man einen Verein gründet?

 

Die Bürokratie. Das geht los mit dem Finanzamt, man muss die Gemeinnützigkeit beantragen. Man muss sich beim BLSV registrieren, ins Vereinsregister eingetragen werden. Man braucht eine Gründerversammlung, 15 Leute, die bei der ersten Mitgliederversammlung da sind. Und es war anfangs schwer, Ehrenamtliche zu finden. Ich habe lauter Einzelgespräche geführt.

 

Kann man denn von Null auf Hundert ein intaktes Vereinsleben schaffen?

 

Das wächst mit der Zeit. Wobei wir vom Sportlichen her fast zu schnell wachsen – sowohl im Seniorenbereich als auch in der Jugend. Bei 80 neuen Jugendlichen die entsprechenden Trainer zu haben, einen Platzwart, das ist ein Riesenthema. Am Anfang habe ich selbst die Trikots gewaschen – oder besser meine Frau. Mittlerweile versuche ich zu delegieren.

 

Wie viele Mitglieder haben Sie?

 

280, richtig cool. Ich bin 37 Jahre alt, und damit älter als der Durchschnitt von 26,8 Jahren. Da bin ich fast noch stolzer drauf. Das ist etwas, was viele Vereine nicht so auf dem Schirm haben: dass die Jugend die Basis für alles ist. Das sind die Leute, die von der G-Jugend bis zur Altherrenmannschaft einmal durchspielen und dann auch Positionen übernehmen. Die musst du binden, ansonsten ist der Verein zum Scheitern verurteilt. Daher haben wir uns gesagt, wir sind eine Marke, wir haben eine Vision, es steckt ein Konzept dahinter.

 

Wenn Sie von „Marke und Vision“ in der Bezirksliga sprechen…

 

… das haben halt viele Vereine nicht. Wenn man die nach Zielen fragt, sagen die: „Ja, keine Ahnung, schauen wir, dass wir nicht absteigen.“ Aber wenn ich sage, wir wollen mal in die Landesliga, dann ist es ein Ziel. Die Leute wollen wissen, wo es hingeht.

 

Und was machen Sie, wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben?

 

Da muss man mal schauen. Ich bin Vater von zwei Kindern mit drei und fünf Jahren, ich habe eine Steuerkanzlei mit 20 Mitarbeitern. Es ist schon eine zeitintensive Geschichte. Nächstes Jahr im März sind Neuwahlen. Ich hätte nichts dagegen, wenn jemand Neues übernimmt. Mir war wichtig, dass man einen Verein mit sportlichen Zielen hat, der jetzt so da steht, wie er da steht. Den kann sehr gerne jemand anders weiterführen, in anderer Weise kann ich ja immer noch tätig sein.

 

Auf was sind Sie am meisten stolz in den drei Jahren?

 

Es geschafft zu haben, aus dem Nichts einen Verein zu haben, der erfolgreich ist. Damit meine ich nicht nur die Erfolge der ersten Mannschaft, sondern auch die Jugend. Es macht einfach Spaß, wenn man am Abend bei uns auf den Fußballplatz fährt und fast keinen Parkplatz kriegt, weil so viele Eltern da sind. Vor kurzem hatten wir ein Toto-Pokalspiel gegen Bayern Hof, da waren am Mittwochabend mehr als 1000 Zuschauer in Selb. Was sich da in drei Jahren entwickelt hat, ist schon grandios.

 

Was ist Ihr wichtigster Tipp für den nächsten Vereinsgründer?

 

Leidenschaft zu haben, für das zu brennen, was man vorhat. Und eine klare Vision zu haben. Dann kann man die Menschen für seinen Verein begeistern.